Extreme Armut – Zusammenfassung

Dieser Blogeintrag dient als Zusammenfassung zum Thema der extremen Armut. Wir werden die Hauptpunkte der letzten Posts kurz wiederholen und versuchen ein paar kompakte Ergebnisse zu sammeln, die man sich leicht merken kann.

Im ersten Eintrag haben wir festgestellt, dass es verschiedene Arten gibt extreme Armut zu definieren. Zwei grundlegende Vorgehensweisen sind:

  • Konsum-basierter (bzw. Einkommens-basierter) Ansatz: Extreme Armut wird durch die internationale Armutsgrenze definiert. Alle Menschen die mit weniger als 1,90 internationalen Dollar pro Tag auskommen müssen, leben in extremer Armut.
  • Multidimensionaler Armutsindex (MPI): Der Index enthält Indikatoren aus den Bereichen: Lebensstandards, Gesundheit und Bildung. Erfahren Menschen in mindestens 33% dieser Indikatoren Mängel, werden sie als arm eingeschätzt.

In Bezug auf die internationale Armutsgrenze sollte man sich bewusst sein, dass es sich bei den 1,90 um internationale Dollar handelt, die durch KKP-Wechselkurse umgerechnet werden müssen:

  • Kaufkraftparität (KKP): Wechselkurse werden durch den direkten Vergleich von Waren aus Ländern mit den jeweiligen Währungen berechnet. Sie sind frei von Spekulations- und Inflationseffekten und eignen sich deshalb für internationale Preisvergleiche.

Im Zusammenhang mit dem Einkommens-basierten Ansatz gibt es außerdem drei Werkzeuge mit denen man das Vorkommen, die relative und die absolute Intensität von Armut beschreiben kann:

  • Armutsquote: Der Anteil an Menschen eines Gebietes, die unterhalb der Armutsgrenze leben (Beispiel: 2012 lebten ca. 77 % der Gesamtbevölkerung der Demokratischen Republik Kongo unter 1,90 int. Dollar pro Tag und damit in extremer Armut). Hier wird also das Vorkommen von Armut registriert.
  • Poverty Gap Index: Der Prozentsatz der internationalen Armutsgrenze, den Menschen in extremer Armut im Mittel für ein Leben oberhalb 1,90 int.-$ täglich benötigen würden (Beispiel: 2012 benötigten arme Menschen in der Demokratischen Republik Kongo ca. 39% der internationalen Armutsgrenze (ca. 0,74 int.-$) für ein Leben oberhalb von 1,90 int.-$). Dieser Index beschreibt also die Intensität von Armut.
  • Absolute Poverty Gap: Der jährlich (bzw. täglich) notwendige Geldbetrag um alle Menschen in einem Gebiet über die internationale Armutsgrenze zu heben. (Beispiel: 2013 wären ca. 19 Milliarden int.-$ nötig gewesen um allen Menschen der Demokratischen Republik Kongo ein Leben oberhalb von 1,90 int.-$ zu ermöglichen). Dieser Wert beschreibt die Intensität von Armut in absoluten Zahlen.

Wir stellten zudem fest, dass die Korrelation zwischen Konsum-basierter Armutsdefinition und dem multidimensionalen Ansatz nur schwach ist. Armut ist ein sehr komplexes Problem, das man daher nur mit mehreren verschiedenen Ansätzen untersuchen sollte.

Im zweiten Teil dieser Serie gingen wir der Frage nach, in welchen Regionen Armut am intensivsten auftaucht. Wir fanden, dass Afrika und Asien die Kontinente mit den meisten Menschen in extremer Armut sind, wobei Indien das Land mit den meisten armen Menschen ist.

Außerdem konnte man anhand der globalen Entwicklung von Armut ein wichtiges Resultat ableiten:

  • Sowohl der Anteil, als auch die absolute Zahl der Menschen in extremer Armut befinden sich schon seit mehreren Jahren im Rückgang. So hat sich die Zahl der Menschen in extremer Armut von über zwei Milliarden im Jahr 1990 auf knapp 705 Millionen Menschen im Jahr 2015 reduziert.

Während dieser Trend in allen Weltregionen beobachtbar ist haben wir gesehen, dass China durch den schnellen wirtschaftlichen Fortschritt einen großen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen hat.

Der letzte Eintrag beschäftigte sich mit Armutsursachen und möglichen Gegenmaßnahmen. Wir haben gesehen, dass Armut bis vor kurzem noch ein alltägliches Phänomen war, das erst im Zuge der Industrialisierung stark reduziert wurde. Neben zahlreicher, teilweise sehr komplexer Mechanismen die zu Armut führen könnten, kann man verschiedene Korrelationen erkennen:

  • Armut – Wirtschaft: Extreme Armut sinkt mit steigendem nationalem Einkommen.
  • Armut – Lebenserwartung: Je niedriger die Armutsquote eines Landes, desto höher die Lebenserwartung der Einwohner.
  • Armut – Schulbesuch: Je höher die durchschnittliche Schulbesuchsdauer eines Landes, desto niedriger ist dessen Armutsquote.

Zudem gibt es einige Maßnahmen im Kampf gegen extreme Armut, deren Wirksamkeit wissenschaftlich untersucht wurde:

  • Multidimensional angelegte Hilfsprogramme zeigen durchaus Verbesserungen in den Lebensstandards armer Menschen. Im Vergleich mit dem jährlichen Einkommensanstieg durch Migration in ein reicheres Land sind die Vorteile solcher Programme jedoch nur minimal.
  • Die im Zuge der Globalisierung entstehenden industriellen Arbeitsplätze bewirken zwar ein steigendes Einkommen, schädigen die Menschen aber in Hinsicht auf multidimensionale Armut.
  • Direkte Geldtransfers bringen laut wissenschaftlicher Arbeiten ebenfalls einen längerfristigen Nutzen für die Empfänger ohne deren Arbeitsmoral zu beeinträchtigen.

Non-Profit Organisationen wie GiveWell bewerten Hilfsorganisationen um sicherzustellen, dass die genannten direkten Geldtransfers auch wirklich bei den armen Menschen ankommen.

Um diese Serie abzuschließen werfen wir einen Blick auf eine letzte Grafik der Publikation von OurWorldInData.org:

 

 

Gezeigt werden der Verlauf der Armutsquote und eine Projektion des Verlaufs bis ins Jahr 2030. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Konsum der Länder ca. gleich schnell wächst wie in den vergangenen 10 Jahren und dass die Streuung der Konsumverteilung ebenfalls gleichbleibt. Die bisherigen Daten über extreme Armut geben folglich Zuversicht, dass die Quoten auch in den nächsten Jahren noch deutlich sinken werden. Die Ziele der UN und der Weltbank extreme Armut bis 2030 vollständig zu beenden sind jedoch eher optimistisch.

Und selbst wenn extreme Armut endlich besiegt wird heißt das noch lange nicht, dass Armut beseitigt ist. Denn ob arme Menschen wirklich besser leben können nur weil sie mehr als 1,90 int.-$ zur Verfügung haben ist eine berechtigte Frage. Wir können diese Serie daher mit einem Zitat von Nelson Mandela abschließen:

 

„Solange Armut, Ungerechtigkeit und grobe Ungleichheit in unserer Welt bestehen, kann keiner von uns wirklich ruhen.“ – Nelson Mandela

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